Internet der Pilze

Das Herzstück des Green Deal’s der Europäischen Kommission ist die Farm to Fork Strategie. Ziel ist ein faires, gesundes und umweltfreundliches Nahrungsmittelsystem.

Der Umbau des Nahrungsmittelsystem ist ein ambitioniertes Vorhaben mit einer Vielzahl unterschiedlicher Säulen von der Kreislaufwirtschaft bis zur regionalen, ökologischen und nachhaltigen Produktion zu fairen Preisen.

Kleine regionale und urbane Landwirtschaftsbetriebe in direkter Nähe zu Städten und Me­tro­polen sind somit die entscheidenden Akteure auf deren Schultern der Erfolg der Farm to Fork Strategie ruht.

Dies ist Grund genug, die aktuelle Situation dieser Betriebe einmal genauer zu betrachten, um herauszufinden, unter welchen Voraussetzungen diese Kleinbauern, die ihnen von Europäischen Kommission zugedachte Rolle erfüllen können.

Ökologische Landwirtschaft hat durch den (weitgehenden) Verzicht auf chemische Un­ter­stützung (Düngemittel, Pestizide etc.) ein erhöhtes Risiko von Ertragsminderung und Ernte­ausfällen. Bei kleinen Betrieben kann dies schnell existenzbedrohend werden.

Bei Betrieben in direkter Nähe von Städten und Metropolen ist eine Vergrößerung der Produk­tions­flächen zur Kompensation dieses Risikos nahezu ausgeschlossen. Dies liegt zum einen an dem grundsätzlich hohen Flächenverbrauch in Industrienationen und zum anderen an der physikalischen Begrenzung infolge der Stadtnähe.

Welche Alternativen gibt es dann?

Theoretisch ganz einfach: Produktionsrisiken müssen bei Beibehaltung der vorhandenen Flächen signifikant reduziert werden. Als theoretische Al­ter­native zu chemischen Hilfsmitteln steht die Digitalisierung und hier insbesondere Smart & Precision Farming bereit.

Damit daraus eine realistische Alternative werden kann, müssen grundsätzliche Hürden überwunden werden. Die wenigsten Landwirte haben die Zeit, das Budget und die Fähig­keiten moderne IoT- und KI-Lösungen zu installieren und zu managen.

Neben den hohen Projektkosten für die Implementierung von maßgeschneiderten IoT- und KI-Lösungen, bleiben im Anschluss kaum kalkulierbare Betriebskosten, wenn man auf einen der großen Cloud-Anbieter zurückgreifen muss.

Hut & Stiel ist eines dieser kleinen landwirtschaftlichen Betriebe, von denen letztlich ab­hängt, ob die Farm to Fork Strategie der EU erfolgreich sein kann.

Hut & Stiel produziert sein 2015 regional, öko­lo­gisch und zu fairen Preisen hochwertige Austernpilze für Verbraucher in Wien und Umgebung. Dieser kleine Betrieb hat sich nicht nur der Produktion gesunder Nahrungsmittel verschrieben. Als Besonderheit kommt hinzu, dass Hut & Stiel auch Teil der immer wichtiger werdenden Kreislaufwirtschaft ist:

Die Austernpilze wachsen auf recyceltem Kaffeesatz (aus biologischem Anbau) und das, was von der Pilzzucht übrig bleibt, wird dem Boden als nährstoffreicher Dünger zurückgegeben.

Hut & Stiel ist ein Vorzeigemodell dafür wie das Nahrungsmittelsystem im Sinne der Farm to Fork Strategie der EU in urbaner Nähe umgebaut werden kann.

Was aber tut die EU, um dafür zu sorgen, dass diese Vorzeigebetriebe überlebensfähig sind und bleiben? Ein Blick aus der Praxis — gar nichts.

Für PredictiveWorks. war dies ein unhaltbarer Zustand. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, Hut & Stiel mit einer High Tech IoT-Lösung auszustatten, um einerseits die Produktionsrisiken zu senken, und andererseits den Ressourcenverbrauch zu mini­mie­ren.

Das Projekt “Pilzdinge” orientiert sich an der zukunftsorientierten IoT Architektur des Internet of Farm & Food:

Auf der Ebene der Sensoren werden professionelle und kostengünstige LoRaWAN Geräte eingesetzt, um die für die Pilzzucht entscheidenden Messgrößen CO2-Gehalt, Luft­­feuch­tig­­keit und Raumtemperatur in Echtzeit an ein LoRaWAN Gateway zu senden.

Dieses Gateway ist mit dem “The Things Network” verbunden und stellt die Messdaten für eine private Cloud-Lösung zur Verfügung. Die Cloud-Lösung von Hut & Stiel umfasst zum einen die Open Source IoT Plattform “ThingsBoard”.

Die Fusion und Analyse der Daten erfolgt zum anderen durch die Technologie von PredictiveWorks, die auch noch genügend Raum für maschinelles Lernen und die Berechnung von Vor­hersagen lässt.

PredictiveWorks wird auch dazu verwendet, um die Daten für die Abholung durch die implementierte Smartphone App “Pilzdinge” aufzubereiten.

Das gesamte Projekt, von der ersten Konzeption, der Beschaffung und des Ausrollens der Sensoren und Gateways und schließlich der Implementierung der privaten Cloud-Lösung und der “Pilzdinge” App umfasste weniger als einen Monat.

Pilzdinge wurde von Anfang an so angelegt, dass auch andere kleine landwirtschaftliche Betriebe partizipieren und ihre Produktionsrisiken senken können. Auf diese Weise hat der ursprüngliche Raiffeisen-Gedanke auch in der Zeit des Smart & Precision Farming seine Bedeutung nicht verloren.

Pilzdinge ist ein Beispiel dafür, dass die theoretischen Konzepte & Strategien der Euro­päischen Kommission auch ohne deren Unterstützung Wirklichkeit werden können, wenn moderne IoT- und KI-Technologie nicht nur zur Rendite-Optimierung großer Konzerne genutzt wird.

Originally published at https://www.linkedin.com.

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